Verein - Geschichte

 

Die Anfänge

Angefangen hat es am 24. Oktober 1967, Fritz Riesen aus Grindelwald organisierte eine Zusammenkunft von eisenbahnbegeisterten Männern im Hotel „Bären“ in Zweilütschinen. Es fanden sich neun Interessenten ein, darunter Fritz Riesen, Peter Jaggi, Heinz Coatti, Ulrich Knecht, Klaus Abbühl u.a. (leider gibt es davon keine Aufzeichnung). Es wurde beschlossen, um Ideen auszutauschen monatlich ein Treffen im „Bären“ durchzuführen, noch sprach man nicht von einem Verein sondern mehr von einer freien Vereinigung. Bereits am 11. Januar 1968 beschlossen die Teilnehmer doch einen Verein zu gründen. Die eigentliche Gründungsversammlung fand dann am 7. Mai 1968 statt und der Beitritt zum SVEA auf 1. Januar 1969.Wie unser verstorbener Ehren- und Gründungsmitglied Peter Jaggi in seinen Jahresberichten und Notizen festhielt, der MEFEZ ist am 24. Oktober 1967 entstanden, auch wenn damals noch keine Statuten und Mitgliederbeiträge erhoben wurden.

An der „offiziellen“ Gründungsversammlung vom 7. Mai 1968 wurden folgende Wahlen getätigt:
Präsident: Peter Jaggi
Vize-Präsident: Fritz von Allmen
Sekretär: Heinrich Coatti
Kassier: Niklaus Abbühl
Beisitzer: Roland Werner
Rechnungsrevisoren: Ulrich Knecht und Emil Balmer
Mitgliederbeiträge: Aktive Fr. 15.-- Passive Fr. 5.-- Jugend Fr. 3.—
Einmalige Eintrittsgebühr Fr. 2.—
Mitgliederbestand 17

Bereits am 29. April 1969 fand die erste eintägige Klubreise, organisiert durch Heinz Coatti, statt. In Brig wurde die Werkstätte und Depot der Furka – Oberalpbahn (FO) besichtigt, die Fahrt führte weiter über Montreux zur Montreux-Oberlandbahn (MOB). Auf der Rückfahrt wies der neue Motorwagen in Montbovon ein technisches Gebrechen auf und musste durch einen alten Motorwagen aus dem Jahre 1916 ersetzt werden.


Wie der geneigte Leser und aktive Teilnehmer der MEFEZ - Reisen feststellt, die Pannenanfälligkeit ist den MEFEZ - Reisen über all die Jahre treu geblieben. Die Reisen haben natürlich meistens gut geklappt, aber von Entgleisung bis zu stundenlangen Verspätungen haben wir alles erlebt.


Klublokale

Zweck des Vereins war ja die Erstellung einer Modellanlage im eigenen Lokal. 1970 ergab sich die Gelegenheit die alte Lokremise der BOB in Lauterbrunnen unentgeltlich zum Abbruch zu übernehmen. In 166 Arbeitsstunden wurde die Remise abgebrochen, verladen und in Zweilütschinen gestapelt. Das Material erwies sich aber als sehr desolat, so wurde von einem Aufbau abgesehen. Nach einer Besprechung mit dem Direktor der BOB/WAB/JB Dr. Walter von Arx wurde dem Präsidenten Peter Jaggi versprochen im Jahre 1970 ein Klublokal zur Verfügung zu stellen. Gedacht wurde an eine Baracke des Bahnmeisters aus Lauterbrunnen. Bei einer neuerlichen Besprechung am 11. Mai 1970 bot Dr. von Arx unserem Verein einen ausrangierten Personenwagen der BOB (ex SBB Brünigbahn) an. In der Folge diente uns AB4 221 als erstes Klublokal. Der Standort ist hinter der Werkstätte BOB in Zweilütschinen. Der Wagen steht heute noch dort, zwischenzeitlich wurde er an die Firma Müller, Gleisbau als Lagerraum abgegeben.

Der Bau einer Klubanlage im neuen Wagen konnte nun beginnen, bald einmal zeigte sich aber, dass das Klubheim für unseren wachsenden Verein bald einmal zu klein werden würde. 1976 hielten wir nach einem grösseren Objekt Ausschau und wurden fündig. Bei den SBB in Zürich - Herdern konnte eine Baracke (von der Expo 1964 stammend) kostengünstig erworben werden. Am 18. April 1977 wurde die Baracke geliefert und am 3. Dezember 1977 fand die Einweihungsfeier statt.


Grosstraktion

Die hektische und stürmische Zeit im MEFEZ war damit noch nicht beendet, am 1. September 1977 traf auf einem SBB-Rollschemel die ehemalige G3/4 11 (Heidi) der Rhätischen Bahn (RhB) in Interlaken Ost ein. Die Lokomotive wurde von einer Interessengruppe unter der Führung von Dr. Roland Hirni, Direktor der BOB/WAB/JB angekauft und dem MEFEZ übergeben. Als Auflage verpflichtete sich der MEFEZ , die Lokomotive fahrtüchtig zu reparieren und alsdann zu Fahrten auf der Strecke Interlaken Ost – Lütschental einzusetzen. Nach über 3500 Arbeitsstunden, von 46 Mann geleistet, war es soweit:
Am 10. Dezember 1978 konnte die „neue“ Lokomotive ihre Abnahmeprobefahrt absolvieren, die offizielle Einweihungsfahrt fand am 6 Mai 1979 statt.

Mit der Fertigstellung der Dampflokomotive war noch kein Ende der Arbeitseinsätze zu sehen. Mittlerweile gelangte der ehemalige Kaiserwagen B3 6 der BOB von der Meiringen - Innertkirchen -Bahn (MIB) zum MEFEZ. Die erste öffentliche Fahrt als Barwagen fand am 30. August 1980 statt.
Ein weiteres Problem musste gelöst werden, zur Brandverhütung wurde der ehemalige Uhk 1021 zum X 3 Löschwagen umgebaut. Im Sommer folgte er regelmässig dem Dampfzug um die diversen freiwilligen und unfreiwilligen „Feuerchen“ zu löschen.

Während all dieser Tätigkeiten in der Grosstraktion wurde eifrig an der Modellbahnanlage gebaut. Es sind Baukurse von Zugschlusssignalen und Transformatoren durchgeführt worden. Tagesausflüge wie Dampffahrten zur Schynige Platte durchgeführt, wie zum Beispiel am 29. Juli 1978, damals entgleiste der SPB B 21 auf der Einfahrweiche der Station Schynige Platte, mit vereinter Muskelkraft und einer Winde konnte das Malheur behoben werden.

Ausstellungen und die Episode mit dem „Zephir“

Unsere Mitwirkungen an der RAIL-IN 80 und 88 haben uns gute Kontakte, einen grossen Bekanntheitsgrad und auch etwas Geld in die Vereinskasse gebracht. Weniger erfolgreich waren wir mit der Dampflokomotive „Zephir“ der Bödelibahn. Diese kam 1980 auf Bestreben von Dr. Roland Hirni nach Zweilütschinen mit dem Wunsch einer betriebsfähigen Aufarbeitung. Die dazugehörigen zwei Wagen standen in Interlaken Ost. Die Wagen konnten wir an die Dampfbahn Bern abgeben und der Zephir gelangte später ins Depot Spiez der BLS und wurde dann dem Verkehrshaus Luzern übergeben. In Huttwil ist die Lokomotive durch ein Arbeitslosenprojekt aufgearbeitet worden. Der heutige Standort ist bei SBB Historic in Delémont.


100 Jahre Berner Oberland Bahnen 1990

Erfolgreich haben wir am Jubiläum 100 Jahre BOB mitgearbeitet. Zuvor konnte noch den BOB C3 29 aufgearbeitet und zum Jubiläum in Betrieb genommen. Die BOB hatte gleichzeitig den BC4 203 und den D 515 (ex F3 54) im alten Zustand hergerichtet, sodass ein schöner historischer Zug entstanden ist.
Von der Ballenbergbahn kam leihweise die HG3/3 1067 vorübergehend nach Zweilütschinen und hat einige Jahre Dampfzüge absolviert. Unsere Dampflok 11 gelangte zu Ihren letzten Einsätzen. Feuerbüchse und Kessel wurden dann im Winter 1990 vom Kesselinspektor abgesprochen. Bis April 2000 stand die Lokomotive in Zweilütschinen konserviert hinterstellt. Wir verkauften das Fahrzeug an den Club 1889 in Samedan. Mit neuem Kessel versehen soll die G3/4 11 ab 2008 wieder bei der RhB dampfen.
Geblieben sind uns bei der Grosstraktion die beiden Wagen B3 6 und C3 29. Im Herbst 2006 ergab sich die Gelegenheit den D 515 vor dem drohenden Abbruch zu bewahren.
Zusammen mit den beiden HGe3/3 24 und 29 sowie dem BDeh4/4 302 der BOB besteht die Möglichkeit historische Züge fahren zu lassen. Leider wird das Angebot nicht sehr häufig genutzt.


Modellanlage

Als Ausgleich wurde dafür an der Modellbahnanlage fleissig gearbeitet, mit Beschluss die Anlage auf Computersteuerung umzubauen ist uns nach wenigen Jahren ein Durchbruch gelungen. Es stiessen wieder junge Leute zu unserem Verein.


Fernreisen

Neben den Tagesausflügen organisierte der MEFEZ seit 1973 auch mehrtägige Reisen ins Ausland. Es gibt nicht viele europäische Länder die nicht besucht wurden. Waren es im Anfang drei Tage, sind im Laufe der Zeit fünftägige Fahrten durchgeführt worden.
Nebst Extrazügen auf Schmalspur, Neben- und Museumsbahnen sahen wir auch viele grosse Bahnstrecken. Von Rügen bis zum Plattensee, von der Baie de la Somme zur Hohen Tatra und von Barcelona bis Kalabrien haben wir die meisten Schmalspurbahnen besucht.
Viele schöne Erinnerungen, aber auch bedrückende Situationen mit traurigem Ausgang, blieben uns erhalten.


MEFEZ-Nachrichten (MN)

Im April 1976 erschien die erste Ausgabe der MEFEZ - Nachrichten, bescheiden mit der GESTETTNER – Vervielfältigungsdruckmaschine aus dem Auskunfts- und Reisebüro BLS Interlaken West angefertigt. Mein damaliger Arbeitsplatz bot unserem Verein die Gelegenheit kostengünstig zu einem Mitteilungsblatt zu kommen. Viermal im Jahr versuchte ich als Schriftleiter und Koordinator das Geschehen im Verein unseren Mitgliedern näher zu bringen. Das nötige A4 – Druckpapier erhielten wir von einem Sponsor, unseren Freunden Familie Leister aus Wien, über viele Jahre transportierte der Schreibende bei Reisen nach Österreich die Pakete mit dem farbigen Papier nach Hause, vorbei an den misstrauischen Schweizer Zollbeamten, die jedes Mal nach dem Zweck des Transportes nachfragten. Wir danken der Familie Leister bei dieser Gelegenheit herzlich für Ihre Sponsorentätigkeit zum Wohle unserer MN.

1978 änderten wir das Logo, die Dampflok G ¾ 11 zierte nun den Titel, auch brachten wir einmal im Jahr eine beim „Schläfli-Druckstübli“ gedruckte Ausgabe mit Bildern unter die Leute. Ab 1986 erschien das Blatt noch zweimal im Jahr, aus Kosten- und Zeitgründen, aber auch weil dem Redaktor vielfach die nötigen Artikel fehlten! Das Computerzeitalter begann 1988 und damit auch das Ende der vervielfältigten Ausgaben, ab 1990 betreute Andreas Häsler als Redaktor die MN. Das Jahr 2001 brachte den Wechsel zum Format A5 mit farbigem Titelblatt, das Layout konnte nun selber angefertigt werden, die weitere Digitalisierung erleichtert heute auch die Bestückung mit Fotos, man braucht keine Klischees mehr. Alles schön und gut, aber die Kosten für das Blatt sind explodiert, sodass wir gezwungen waren die Druckerei zu wechseln. Heute haben wir bei der SBB eine gute und preiswerte Druckerei gefunden.


Nachsatz

Zum Abschluss findet Ihr eine Liste unserer Präsidenten, jeder von Ihnen hat den MEFEZ gefördert und geprägt. Keine leichte Aufgabe, ist doch der „Homo oberland bernensis“ ein Individualist und manchmal etwas ruppig, aber im Kern liebenswert und hilfsbereit.

Unsere Präsidenten:

1967 bis 1977 Peter Jaggi
1978 bis 1987 Kurt Roth
1988 bis 1990 Hans Häsler
1991 bis 1995 Rolf Roth
1996 bis 2001 Beat Affolter
2002 bis 2007 Paul Betschart
ab 2007 Christian Eymann


Dank

Besten Dank an unsere Mitglieder und Gönner für Ihre Treue, der Dank geht auch unsere Helfer und Helferinnen bei den verschiedenen Anlässen, Dank auch unseren Familien, die durch unsere Vereinstätigkeit viel Freude aber manchmal auch Verzicht ernten.